17.10.10

Körpereigene Schlafstoffe als Medikament?

Schon kurz nach der Jahrhundertwende vermuteten französische Wissenschaftler, dass sich während des Tages ein Hypnotoxin, ein “Schlafgift”, im Körper ansammelt und am Abend schläfrig macht. Seit den 60er Jahren wird diese bis dahin als “romantisch” abgetane These erforscht. Was könnte leichter zu gesundem Schlaf verhelfen, als ein körpereigener Stoff, der keine “Narkose” verursacht, sondern den natürlichen Schlummer herbeizwingt?

Wissenschaftler(innen) haben inzwischen zahlreiche solcher Substanzen gefunden, die den Schlaf in unterschiedlicher Weise beeinflussen. Bis vor kurzem galt ein Delta-Sleep Indacing Peptide (DSIP) genannter Eiweißstoff als des Rätsels hoffnungsvolle Lösung. Aber heute wird angenommen, dass er nur andere Botenstoffe und Hormone beeinflusst, die den Schlaf regulieren. Zur Zeit setzen die Wissenschaftler(innen) bei der Suche nach schlaffördernden Substanzen vor allem auf das Interleukin 1, eine Substanz des Immunsystems. Solche Substanzen sind bisher nicht als Schlafmittel verfügbar, da ihre Wirkungsweise noch zu wenig geklärt ist. Sollte das irgendwann erreicht sein, würden sie die für Schlaf und Gesundheit schädlichen Schlafmedikamente schnell ersetzen - und der Pharmaindustrie ihr Milliardengeschäft vermasseln.

Bis dahin ist es immer noch die beste Therapie, die Ursachen für den gestörten Schlaf zu suchen und zu beseitigen.Und dabei hilft nichts besser als ein gutes Wasserbett. Auch wenn das zunächst ein bisschen mehr Konsequenz erfordert als der flinke Griff zur Pille.